Wie werde ich Freelance-Consultant? Von der Festanstellung zum Freiberufler

Wie werde ich Freelance-Consultant? Von der Festanstellung zum Freiberufler

Wenn Du Berater bist und mit dem Gedanken spielst, Dich als Freelance-Consultant selbstständig zu machen, dann geht es Dir wie vielen anderen unserer consultingheads-Nutzer. Der Wunsch nach mehr Flexibilität und eigener Kontrolle über Projekte und Arbeitszeiten treibt immer mehr junge Berater an. Hohe Tagessätze versprechen eine vergleichbare Vergütung zum Consulting-Job, jedoch mit mehr Freiheit und besserer Work-Life-Balance.

Doch der Consulting-Exit als Freelancer bringt einige Hürden mit sich, die Du nicht unterschätzen solltest: Projektakquise bei immer stärker und größer werdender Konkurrenz, nerviger Papierkram und unstetiges Einkommen. Besonders für zukünftige freiberufliche Berater ist eine frühzeitige und gründliche Planung deshalb wichtig.

Wir helfen Dir auf Deinem Weg ins Freelance-Consulting. Im ersten Teil unseres Guides für Freelance-Berater beantworten wir Dir die Fragen, die Du Dir stellst, bevor Du Dich für diesen Karriereweg entscheidest. Im zweiten Teil geben wir Dir dann konkrete und hilfreiche Tipps für Deinen Start als Freelance-Consultant!

Übersicht:

• Was ist überhaupt ein Freelance-Berater? Der Unterschied zwischen Freelancer und Freiberufler
>> Definition Freelancer
>> Definition Freiberufler
>> Freelance-Berater oder freiberuflicher Berater – was denn nun?
• Der Freelance-Trend im Consulting
• Wann ist der ideale Zeitpunkt, um als Freelancer aus der Beratung auszusteigen?
• Der Weg ins Freelance-Consulting
>> Option 1: Du arbeitest nach dem Consulting-Exit als Teilzeit-Freelancer
>> Option 2: Du wirst nach dem Consulting-Exit direkt Vollzeit-Freelance-Berater
>> Option 3: Du bleibst als Berater festangestellt und wirst nebenbei Freelance-Consultant
>> Du hast keine Beratungserfahrung, aber möchtest Freelance-Berater werden
• ➥ Infografik: Freelance-Consulting [PDF]
• Freelance-Projekte finden

Was ist überhaupt ein Freelance-Berater? Der Unterschied zwischen Freelancer und Freiberufler

Häufig werden die Begriffe “Freelancer” und “Freiberufler” synonym verwendet, doch genauer betrachtet, gibt es feine Unterschiede zwischen den beiden Bezeichnungen:

Definition Freelancer

Unabhängig von der Branche arbeiten sogenannte “Freelancer” (zu Deutsch “freie Mitarbeiter”) als Selbstständige auf Projektbasis für verschiedene Auftraggeber. Ein Freelancer hangelt sich also von Projekt zu Projekt, ohne dabei fest bei einem Unternehmen angestellt zu sein. Die Bezeichnung “Freelancer” bezieht sich somit ausschließlich auf die Art der Beschäftigung und nicht darauf, welcher Tätigkeit nachgegangen wird.

Definition Freiberufler

Bei der Bezeichnung „Freiberufler“ handelt es sich um die gleiche Art der Beschäftigung wie beim Freelancer. Allerdings wird darüber hinaus berücksichtigt, welchem Beruf oder welcher Tätigkeit genau nachgegangen wird. Freiberufler sind nämlich Vertreter der freien Berufe, die im § 18 Absatz 1 des Einkommensteuergesetzes gesetzlich festgelegt sind. Dieser Absatz besagt:

“Zu der freiberuflichen Tätigkeit gehören die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit, die selbständige Berufstätigkeit der Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte, Vermessungsingenieure, Ingenieure, Architekten, Handelschemiker, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratenden Volks- und Betriebswirte, vereidigten Buchprüfer, Steuerbevollmächtigten, Heilpraktiker, Dentisten, Krankengymnasten, Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer, Lotsen und ähnlicher Berufe.”

Freelance-Berater oder freiberuflicher Berater – Was denn nun?

Vor allem im Consulting kommt es bei der genauen Bezeichnung häufiger zu Verwirrungen. Wie im vorherigen Abschnitt zitiert und gefettet, gehören “beratende Volks- und Betriebswirte” zu den Vertretern der freien Berufe.

Doch laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie kann nicht jeder Unternehmensberater automatisch als freiberuflich eingestuft werden, da der Begriff “Unternehmensberater/in” gesetzlich keine geschützte Berufsbezeichnung ist. Deshalb muss das Finanzamt zuerst prüfen, ob bestimmte Anforderungen erfüllt sind. Zum Beispiel muss ein entsprechendes BWL- oder vergleichbares Studium nachgewiesen werden, verbunden mit praktischer Erfahrung in der Beratungsbranche.

Und wieso ist das überhaupt wichtig? An sich ist die Bezeichnung nebensächlich, doch die Kategorisierung führt im Einzelfall zu bürokratischen Unterschieden. Denn wer als Freelancer arbeitet, muss ein Gewerbe anmelden und Gewerbesteuer zahlen, während ein Freiberufler seine Tätigkeit lediglich dem Finanzamt melden muss.

Kleiner Tipp: Wenn Du zugelassener consultingheads-Nutzer bist, dann kannst Du prinzipiell davon ausgehen, als freiberuflicher Berater in Frage zu kommen. Schließlich screenen wir unsere Nutzer nach Beratungshintergrund und akademischem Profil.

Der Freelance-Trend im Consulting

Mit dem Älterwerden der nach Freiheit strebenden Generation Y und Z ist der Freelance-Trend in den letzten Jahren quer durch alle Branchen stark angestiegen. Denn der Wunsch nach Selbstbestimmtheit wirkt sich auch auf die Berufswahl aus. So ist die Zahl der Selbstständigen in freien Berufen laut dem Bundesverband der Freien Berufe in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen.

Statistik Freiberufliche Berater Deutschland
in Tausend, jeweils zum 1.1. des Jahres; Quelle: Institut der Freien Berufe Nürnberg

Und auch vor der Consulting-Branche macht diese Entwicklung keinen Halt. Von der Festanstellung in die Selbstständigkeit zu wechseln ist ein beliebter „Move“ für Berater. Der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) schätzt die Anzahl der Berater, die derzeit freiberuflich in Deutschland arbeiten, auf etwa 14.000. Die Angaben unserer Nutzer bestätigen das Interesse an einer Freelance-Tätigkeit unter Beratern: 60 % der consultingheads-User interessieren sich für eine Freelance-Position, 31 % ausschließlich dafür.

Statistik Interesse an Freelance Beratung consultingheads blog consultingheadlines
Quelle: Kandidatenpool © consultingheads

Trotzdem handelt es sich beim Freelance-Consultant beziehungsweise freiberuflichen Berater nicht um ein brandneues Phänomen. Schon früher wünschten sich Unternehmen unparteiische Beratung, unabhängig von großen Firmen und deren Verkaufszielen. Und auch damals gab es Berater, die dieses Bedürfnis gerne erfüllten.

Doch eine Sache hat sich ganz klar geändert: Während sich vor zwanzig Jahren nur die “alten Hasen” mit starken Netzwerken als Freiberufler durchschlagen konnten, ist dank der Digitalisierung die Projekt- und Kundenakquise heute so einfach wie nie zuvor. Online-Plattformen wie consultingheads führen Firmen und Freelance-Berater effizient und bequem zusammen. Auch Unternehmen und Beratungen profitieren davon. Sie können kurzfristige Bedarfsspitzen mit Freelancern abfangen und dadurch noch kosteneffizienter arbeiten.

Wann ist der ideale Zeitpunkt, um als Freelancer aus der Beratung auszusteigen?

Eine allgemeingültige Regel aufzustellen ist schwierig, da der ideale Zeitpunkt für den Ausstieg als Freelancer auf Dich, Deine Expertise und Dein Netzwerk ankommt. Ganze 73% unserer Freelance-Berater auf consultingheads bringen mindestens fünf Jahre Berufserfahrung im Consulting mit:

Statistik Berufserfahrung Freelance Berater consultingheads blog consultingheadlines
Quelle: Kandidatenpool © consultingheads; Nutzer, die ausschließlich an Freelance-Jobs interessiert sind

Durch unsere Erfahrung und Zusammenarbeit mit Unternehmen wissen wir jedoch, dass besonders junge „hungrige“ Consultants mit zwei bis drei Jahren Erfahrung immer häufiger gesucht werden. Deshalb stellen wir die Empfehlung auf, dass Du nach ungefähr drei Jahren Beratungserfahrung aussteigen solltest, wenn Du als Freelance-Berater tätig sein willst.

Wir haben bei consultingheads auch schon andidaten für Freelance-Positionen vermittelt, die nur ein bis zwei Jahre Beratungserfahrung vorweisen konnten. Dies funktioniert allerdings nur in Ausnahmefällen und unter folgenden Voraussetzungen:

  • Du hast bereits eine starke Expertise in einer Nische entwickelt, die bei Unternehmen besonders gefragt ist.
  • Du hast trotz kurzer Erfahrung schon ein solides Netzwerk an Kunden über berufliche und/oder persönliche Kontakte sowie Vermittlungsplattformen aufgebaut.
  • Du bringst eine gehörige Portion Selbstbewusstsein mit, um Dich trotz Deines wahrscheinlich jüngeren Alters gegen Senior-Manager zu behaupten.

Egal zu welchem Zeitpunkt Du Dich entscheidest als Freelance-Berater auszusteigen, solltest Du Dir Deine Entscheidung gründlich überlegen und den Exit frühzeitig planen. Mehr Tipps erfährst Du bald im zweiten Teil unserer Freelance-Reihe!

Der Weg ins Freelance-Consulting

Freiberuflicher Berater werden Freelance Berater werden

Viele Wege führen ins Freelance-Consulting. Im Idealfall haben diese folgendes gemeinsam: Sie beginnen mit einer Festanstellung bei einer Unternehmensberatung – egal ob MBB-, Tier-2- oder Boutique-Beratung – oder beinhalten diese Karrierestation an irgendeinem Punkt des Lebenslaufs.

Denn natürlich beginnt nicht jeder Freelance-Berater im Consulting und wechselt dann direkt in die Freiberuflichkeit. Viele unserer Nutzerinnen und Nutzer durchlaufen auch noch andere Karrierestationen, wechseln beispielsweise zunächst in die Industrie oder in ein Start-up. Unabhängig davon hast Du verschiedene Möglichkeiten, als Freelancer durchzustarten:

Option 1: Du arbeitest nach dem Consulting-Exit als Teilzeit-Freelancer

Den Weg, erstmal als Teilzeit-Freelance-Berater zu arbeiten, gehen die meisten Berater nach dem Ausstieg in die Freiberuflichkeit. Es ist auch die Option mit der höchsten Erfolgswahrscheinlichkeit, denn Du wirst zum Beispiel oft nicht genug Aufträge haben, um Vollzeit arbeiten zu können. Vielleicht möchtest Du das auch gar nicht, denn Du hast andere Prioritäten:

  • Du möchtest mehr Freizeit und von einer besseren Work-Life-Balance profitieren. Zum Beispiel willst Du eine Familie gründen oder Dir mehr Zeit für Deine Familie und Freunde nehmen.
  • Du hast vor, nebenbei ein Start-up zu gründen. Damit kombinierst Du zwei Formen des Consulting-Exits: Freelance-Beratung und Start-up-Gründung. Außerdem kannst Du Dein Start-up so in der anfänglichen Gründungsphase mit zwei bis drei Tagen Projektarbeit pro Woche mitfinanzieren.

Option 2: Du wirst nach dem Consulting-Exit direkt Vollzeit-Freelance-Berater

Der Plan der zweiten Option ist es, dass Du Deine Festanstellung kündigst und direkt als Vollzeit-Freelance-Berater arbeitest. Wahrscheinlich die Traumvorstellung der meisten angehenden Freiberufler, doch leichter gesagt als getan!

Ohne ein breites Portfolio an Kunden und Projekten in der Tasche wirst Du Deinen Kalender nicht vollbekommen. Deshalb musst Du Dich bereits langjährig darauf vorbereitet und einen starken Ruf aufgebaut haben. Eine gründliche Planung ist zwar in jedem Fall wichtig, doch gerade wenn Du als Freelance-Berater auf Vollzeiteinsatz angewiesen bist, musst Du eine sichere Strategie für die regelmäßige Kundenakquise entwickeln.

Option 3: Du bleibst als Berater festangestellt und wirst nebenbei Freelance-Consultant

Bei dieser Option fährst Du erstmal zweigleisig, das heißt Du behältst Deine Festanstellung im Consulting und nutzt Abende oder Wochenenden für die Projektakquise und Arbeit an Projekten. Dies bietet Dir die Chance auszutesten, ob Freelance etwas für Dich ist. Zwar ist diese Möglichkeit weniger riskant, da Du weiterhin mit Deinem festen Gehalt und Arbeitsplatz rechnen kannst, allerdings ist sie eindeutig stressiger und schwieriger umzusetzen. Du solltest mit folgenden Problemen rechnen:

  • Stress pur ohne Freizeitausgleich: Mal ehrlich, ist die Arbeit als Vollzeit-Berater nicht anspruchsvoll genug? Wenn Du dann noch zusätzlich Deine wenige Freizeit für Freelance-Projekte aufopferst, musst Du wirklich stressresistent sein!
  • Vertragliche Restriktionen: Wahrscheinlich musst Du Deine Nebentätigkeit mit Deinem aktuellen Arbeitgeber abklären. Je nach Projekt schränkt Dich eventuell auch eine Wettbewerbsvereinbarung ein, in der Du Dich verpflichtet hast für keinen Konkurrenten zu arbeiten.
  • Zeitliche Schwierigkeiten: Abgesehen davon, dass Du Deine komplette Freizeit aufgibst, wird es je nach Flexibilität des Projekts überhaupt nicht möglich sein, Deiner Vollzeitanstellung nachzugehen und gleichzeitig auf Deinem Freelance-Projekt anwesend zu sein, da sich die Arbeitszeiten überschneiden.

Du hast keine Beratungserfahrung, aber möchtest Freelance-Berater werden

In seltenen Fällen kannst Du auch ohne Erfahrung im Consulting Freelance-Berater werden. Hier gelten ähnliche Voraussetzungen wie für den Ausstieg nach wenigen Jahren Beratungserfahrung. Mit einer speziellen und sehr gefragten Expertise, die Du Dir in Deinem Beruf aneignen konntest, kannst Du Dich gegebenenfalls gegen Freelancer mit Beratungserfahrung durchsetzen. Außerdem benötigst Du ein gutes Netzwerk, Selbstbewusstsein sowie realistische Projekt- und Gehaltsansprüche.

Doch es wird auf jeden Fall schwierig, Unternehmen bei einem Projekt von Dir zu überzeugen, wenn Du keine Beratungserfahrung mitbringst. Eine Alternative ist es, Dich zunächst bei einer Beratung für einen Einstieg als Experienced-Hire ohne Consulting-Hintergrund zu bewerben, um danach als Freelancer auszusteigen. Falls Du Dich trotzdem direkt für die Arbeit als Freelance-Berater entscheiden solltest, denk daran: Ohne Beratungserfahrung giltst Du nicht als freiberuflicher Berater, sondern musst ein Gewerbe für Deine Freelance-Tätigkeiten anmelden.

Infografik: Freelance-Consulting [PDF]

Freelance Consulting Guide Infografik Beratung consultingheads Blog consultingheadlines
Eine Übersicht des Artikels inklusive Voraussetzungen, Definitionen und Wege ins Freelance-Consulting

Freelance-Projekte für Berater finden

Du bist Freelance-Berater oder willst Dich bereits nach konkreten Jobs und Projekten umschauen? Dann melde Dich bei consultingheads an – kostenlos und vertraulich. Bei uns bekommst Du Zugriff auf exklusive und für Dich passende Projekte!

Freelance Projekte für Berater finden consultingheads

Im zweiten Teil unserer Freelance-Reihe findest Du übrigens bald noch mehr Tipps und Ratschläge zu Deinen ersten Steps als freiberuflicher Berater. Stay tuned!

Fehler entdeckt oder Verbesserungsvorschläge zu unserem Artikel? Wir sind offen für Kritik und freuen uns über Dein Feedback – per Kommentar oder Email an redaktion@consultingheads.com


Quellen:

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: „Einkommenssteuergesetz (EStG) § 18“ Zugriff auf: https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__18.html 

Eidmüller, C.; Bundesministerium für Wirtschaft und Energie – Existenzgründungsportal: „Unternehmensberatung: freiberufliche oder gewerbliche Tätigkeit?“ Zugriff auf: https://www.existenzgruender.de/SharedDocs/BMWi-Expertenforum/Gruendungsplanung/Freie-Berufe/beratende-Taetig/Unternehmensberatung-freiberufliche-oder-gewerbliche-Taetigkeit.html

Insitut der freien Berufe Nürnberg: „Entwicklung* der Selbstständigen in Freien Berufen in Deutschland 1950 – 2018 (in Tsd.)“ Zugriff auf: https://www.freie-berufe.de/wordpress/wp-content/uploads/2018/07/BFB_Fakten-Grafiken_2018-07_Entwicklung_1950-1.pdf 

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