Wechsel im Consulting: Welche Optionen Du hast und wie Du Dich entscheidest

Wechsel im Consulting: Welche Optionen Du hast und wie Du Dich entscheidest

Einige Berater überlegen sich nach mehreren Jahren Berufserfahrung in eine andere Firma zu wechseln und nicht direkt aus der Beratung auszusteigen. Die Ursache dafür ist wie auch in anderen Branchen: Je mehr Berufserfahrung Du gesammelt hast, desto besser lernst Du Dich, Deine Interessen und Karriereziele kennen. Falls dann das aktuelle Unternehmen nicht mit diesen Vorstellungen übereinstimmt, machst Du Dich auf die Suche nach einem Unternehmen, das besser zu Dir passt.

Es gibt viele Möglichkeiten, die Dir beim Wechsel innerhalb der Consulting-Branche zur Verfügung stehen: Vom Aufstieg zu MBB bis hin zum Switch in eine Non-Profit-Beratung. Berater wechseln auf allen Ebenen der Hierarchie, doch unserer Erfahrung nach ist der gängigste Zeitpunkt für den Übergang auf dem Senior-Consultant-Level.

Vielleicht hast Du selbst schon oft den Wechsel zu einer anderen Beratung in Erwägung gezogen. Doch als Consultant bist Du häufig in Projekte eingespannt und da fehlt Dir die nötige Zeit, um Dich ausführlich über Deine Optionen zu informieren. Deshalb verraten wir Dir im Folgenden, worüber Du Dir Gedanken machen musst, welche Möglichkeiten für Dich in Frage kommen und helfen Dir bei Deinem nächsten Karriereschritt!

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Was Du Dir vor dem Consulting-Wechsel überlegen solltest

Wie bei jedem anderen Karriereschritt ist es beim Consulting-Wechsel wichtig, dass Du Dir genau über Deine Motivationen im Klaren bist. Wenn Du noch keine bestimmte Beratung im Kopf hast, gilt es, das Unternehmen zu finden, das mit Deinen Zielvorstellungen übereinstimmt. Der folgende Gedankenprozess hilft Dir nicht nur bei Deiner Entscheidung, sondern auch dabei, beim Interview zu überzeugen:

Schritt 1: Ist-Zustand Was ist der Status quo bei Deiner jetzigen Firma?

Im ersten Schritt solltest Du Dir die Vor- und Nachteile bei Deiner jetzigen Beratung bewusst machen: Was genau gefällt Dir und was stört Dich? Wichtige Faktoren sind zum Beispiel Standort, Gehalt, Work-Life-Balance, Kollegen, Projekte/Industrien, Spezialisierungen und Karrieremöglichkeiten. Mach Dir gerne genaue Notizen und schreibe Dir auch Deine eigenen Stärken und Schwächen auf. Was sind Deine Expertisen? Auch persönliche Faktoren spielen beim Dokumentieren des Status quos eine Rolle. Beeinflussen Familie oder Freunde Deine Entscheidung?

Schritt 2: Soll-Zustand Was erhoffst Du Dir von einem Wechsel?

Im zweiten Schritt geht es darum, Deine Wunschvorstellungen zu bestimmen. Was willst Du? Du interessierst Dich zum Beispiel für Private-Equity? Dann schau Dir Beratungen wie Bain an, die in diesem Feld führend sind. Welche Punkte sind Dir am wichtigsten und worauf bist Du bereit zu verzichten? Was geht für Dich gar nicht? Hier kannst Du auch Deine Überlegungen aus dem ersten Schritt verwenden und Schlussfolgerungen daraus ziehen. Zum Beispiel solltest Du Vorteile, die Du an Deiner jetzigen Firma schätzt, nach ihrer Wichtigkeit priorisieren und Nachteile kennzeichnen, die Du nach dem Wechsel nicht mehr akzeptieren möchtest. Außerdem solltest Du Dir Gedanken darüber machen, was Du noch lernen möchtest. Verliere dabei auch nie den darauffolgenden Karriereschritt aus den Augen: Was sind Deine Pläne für die nächsten fünf Jahre? Strebst Du langfristig den Ausstieg aus dem Consulting an und wenn ja welchen?

Schritt 3: Brücke – Wie kommst Du zum Soll?

Im dritten Schritt gilt es, Dir zu überlegen, wie Du es von Deiner jetzigen Situation zu Deinem Soll-Zustand schaffst. Falls Du noch keine bestimmte Beratung im Kopf hast, ist der wichtigste und schwierigste Teil dieser Brücke wahrscheinlich, das passende Unternehmen zu finden, das sowohl Deine Vorstellungen erfüllt als auch zu Deinen Expertisen passt. Es sollte also realistisch für Dich sein, in diese Beratung einsteigen zu können. Bei der Suche nach diesem Unternehmen und bestimmten Jobangeboten kannst Du auf Vermittlungsplattformen speziell für Berater zurückgreifen. Bei consultingheads informieren wir Dich zum Beispiel wöchentlich per E-Mail über die spannendsten Karrieremöglichkeiten. Du siehst durch unseren prozentualen Skill-Match direkt, welche Stellen für Dich in Frage kommen. Diese kannst Du dann nach Deinen Präferenzen filtern. Um Deine Bewerbung etwas zu pushen, solltest Du Dir in jedem Fall überlegen, ob Du Kontakte hast, die Dir beim Wechsel in Dein Wunschunternehmen helfen könnten.

Infografik: Consulting-Wechsel – In 4 Schritten zur Entscheidung [PDF]

Infografik: Consulting-Wechsel – In 4 Schritten zur Entscheidung [PDF] consultingheads blog consultingheadlines
Eine Übersicht wichtiger Einflussfaktoren und des Gedankenprozesses, wie Du in vier Schritten die richtige Entscheidung zum Consulting-Wechsel treffen wirst.

Schritt 4: Entscheidung – Solltest Du den Wechsel wagen?

Als Berater bist Du natürlich mit der SWOT-Analyse vertraut. Hast Du sie aber auch schon mal für die Evaluierung Deiner beruflichen Perspektive benutzt? Mit Deinen Überlegungen aus Schritt 1 trägst Du einfach Deine Stärken und Schwächen in die Matrix ein. Dann geht es an die Einschätzung eines bestimmten Unternehmens, das für Dich in Frage kommt. Überlege Dir, ob es Deine Zielvorstellungen im Vergleich zu Deinem jetzigen Unternehmen erfüllt (Opportunities) oder nicht (Threats). Diese Veranschaulichung wird Dir helfen, zu entscheiden, ob sich der Wechsel wirklich lohnt. Denn vergiss nicht: Du bezahlst bei jedem Firmenwechsel eine Art Eintrittsgebühr in Form von Zeit. Denn Du musst zunächst quasi wieder bei null anfangen und Deine Reputation in der neuen Firma neu aufbauen. Deshalb solltest Du Dir diesen Karriereschritt genau überlegt haben und Dich für mindestens 2-3 Jahre in der neuen Firma sehen.

Zwischen diesen Karriereschritten kannst Du wählen

Wechsel im Consulting: Endlich MBB
Von MBB zu MBB
Innerhalb Boutique- oder Lower-Tier-Unternehmen wechseln
Aufstieg als Partner in einer Boutique-Beratung
Inhouse-Consulting als Zwischenschritt in die Industrie
Non-Profit-Beratungen als Abwechslung

➥Tabelle: Welcher Consulting-Wechsel ist der richtige für Dich? [PDF]

Wechsel im Consulting: Endlich MBB

Der Wechsel zu MBB wird als Karriereboost gesehen. Vielleicht hast Du schon beim Consulting-Einstieg eine der drei großen MBB angestrebt, es aber damals leider nicht geschafft. Deshalb bist Du zunächst in eine Tier-2-, Tier-3- oder Boutique-Beratung eingestiegen, um es nach einigen Jahren Berufserfahrung wieder bei MBB zu versuchen.

Durch Dein Skill-Set als Consultant hast Du zumindest einen Vorteil gegenüber anderen Experienced-Hire-Kandidaten aus der Industrie. Und wenn MBB genau in Deiner Spezialisierung Experten suchen, hast Du ganz gute Chancen. In jedem Fall hilft wie immer ein Referral, um Deine Bewerbung zu pushen. Falls Du Dich ursprünglich nicht bei MBB beworben hattest, es aber nun versuchen willst, solltest Du beim Interview eine gute Erklärung dafür parat haben, warum Du Dich erst jetzt bei MBB bewirbst. Ansonsten solltest Du auf die Frage vorbereitet sein, wie Du Dich in der Zwischenzeit verbessert hast.

Wir haben schon Kandidaten erlebt, bei denen nur ein Jahr Erfahrung bei Tier-2 ausgereicht hat, um bei McKinsey oder Bain ein Angebot zu erhalten. BCG ist da meistens etwas anspruchsvoller, doch in den meisten Fällen gilt für alle MBB das Gleiche: Du brauchst mindestens zwei oder bestenfalls mehr als drei Jahre Erfahrung, um für eine Experienced-Hire-Position in Frage zu kommen. Selbst dann ist dieser Wechsel schwierig. Wohingegen Dich bei anderen Wechseloptionen oft eine Beförderung erwarten, wirst Du hier eher downgegradet oder höchstens horizontal wechseln können. Das braucht Dich jedoch nicht abzuschrecken. Wenn Du erstmal drin bist, kannst Du schnell wieder aufsteigen.

Von MBB zu MBB

Es kommt vor, dass sich ein MBBler in seinem Unternehmen nicht wohl fühlt und aus Gründen der Unternehmenskultur in eine andere MBB-Firma wechseln will. Trotzdem ist dieser Wechsel eher ungewöhnlich, denn wenn Du bei einem MBB-Unternehmen wirklich unglücklich bist, ist es fraglich, ob es Dir bei einem anderen wirklich besser gehen wird. Überlege Dir deshalb genau, ob MBB und Consulting im Allgemeinen überhaupt etwas für Dich ist.

Wenn Du Dich tatsächlich für diesen Switch entscheidest, wird das Schwierigste sein, zu erklären, was Deine Motivation für diesen Wechsel ist. Da alle MBB-Unternehmen darauf bestehen, dass sie eine einzigartige Kultur haben, kannst Du das zwar für Dein Interview benutzen, aber es wird schwierig sein, allein damit zu überzeugen. Besser ist es, wenn Du in Zusammenhang mit einem Wechsel des Standorts oder der Practice argumentierst. Wenn Du zum Beispiel bei McKinsey bist und zu Bain willst, kannst Du den Private-Equity-Fokus als Beweggrund nennen. Eine weitere Möglichkeit wäre für Dich, zunächst ganz aus dem Consulting auszusteigen, beispielsweise bei einem Start-up einzusteigen und Dich nach ein bis zwei Jahren wieder bei anderen MBBs zu bewerben.

Innerhalb Boutique- oder Lower-Tier-Unternehmen wechseln

Hier ist der Wechsel etwas gängiger und einfacher, aber eigentlich gilt das Gleiche:

  • Du solltest sicherstellen, dass das Unternehmen, bei dem Du Dich bewirbst, Deine Wunschvorstellungen erfüllt.
  • Du kannst Deine Chancen auf einen Vertrag mit einem Referral oder dem Vorweisen einer bestimmten Expertise erhöhen.
  • Last but not least: Kommuniziere im Vorstellungsgespräch deutlich Deine Motivation für den Wechsel.

Aufstieg als Partner in einer Boutique-Beratung

Partner werden in einer Boutique-Beratung

Bist Du MBBler oder in einer anderen Top-Beratung tätig, ist der Weg zum Partner steinig und anstrengend. Lange nicht jeder Berater hält bis ganz nach oben durch. Wenn Du es nicht geschafft hast, aber trotzdem vom Karrieresprung zum Partner träumst, bietet Dir der Wechsel in eine kleinere Boutique-Beratung weiterhin die Chance.

Flache Hierarchien und mehr Eigenverantwortung ermöglichen Dir den schnellen Aufstieg und bieten außerdem eine Abwechslung im Vergleich zu den großen Top-Beratungen. Doch Vorsicht: In kleinen Beratungen ist der “zu theoretische” MBB-Berater leider nicht immer ein gern gesehener Kollege. Wenn Du bereit bist, diese Vorurteile in Kauf zu nehmen, musst Du Dir Deiner Branchen-Expertise bewusst sein, auf die sich die jeweilige Boutique-Beratung fokussiert. So überzeugst Du auch unabhängig Deines vorherigen Arbeitgebers.

Inhouse-Consulting als Zwischenschritt in die Industrie

Inhouse-Consulting ist die passende Wahl für Dich, wenn Du Dir bei vergleichbarem Gehalt kürzere Arbeitszeiten und eine bessere Work-Life-Balance wünschst. Außerdem bietet es Dir erhöhte Chancen für Deinen Ausstieg, wenn Du danach in andere Bereiche des Unternehmens wechseln willst. Denn viele große Unternehmen suchen sich ihren Führungskräftenachwuchs in ihren eigenen Inhouse-Consulting-Abteilungen.

Um einen Fuß in die Tür zu bekommen, bieten sich Dir vor allem Positionen in Inhouse-Beratungen an, die Teil des ICN Inhouse Consulting Networks sind. Dieses Netzwerk zählt mittlerweile 24 Mitglieder mit ca. 1.700 Beraterinnen und Berater. Du solltest jedoch nicht zu lange mit dem Wechsel warten, denn Inhouse-Beratungen suchen in der Regel Leute, die weniger als fünf Jahre in der klassischen Unternehmensberatung tätig waren.

Non-Profit-Beratungen als Abwechslung

Auch wenn Unternehmensberatung nicht gerade als das Paradebeispiel für gemeinnützige Arbeit gilt, muss man, um als Berater etwas Gutes zu tun, nicht unbedingt seinen Beruf wechseln. Manche Beratungen bieten Pro-Bono- oder Non-Profit-Projekte an. Andere unterstützen ganze Sabbaticals für Consultants, die sich das Projekt “Volunteer Work” in den Kopf gesetzt haben.

Wenn Dir einzelne Non-Profit-Projekte nicht ausreichen, dann bietet sich Dir auch die Möglichkeit in Nonprofit-Beratungen einzusteigen, wie zum Beispiel in die Grameen Creative Lab, eine Beratungsfirma für Social Businesses. In den Staaten gibt es sogar Non-Profit-Beratungen mit MBB-Wurzeln wie die Touch Foundation (McKinsey) oder Bridgespan (Bain). Doch die werteorientierte Arbeit hat natürlich ihren Preis: weniger Gehalt und lange Arbeitszeiten.

Tabelle: Welcher Consulting-Wechsel ist der richtige für Dich? [PDF]

Übersichtstabelle: Welcher Consulting-Wechsel ist der richtige für Dich? [PDF] consultingheads blog consultingheadlines
Eine Übersicht und Einschätzung der verschiedenen Wechseloptionen nach Sicherheit, Verantwortung, Prestige, Gehalt, Work-Life-Balance und Flexibilität. Beinhaltet auch typische Positionen und den idealen Zeitpunkt für den Wechsel.

Karrieremanagement in der Unternehmensberatung

Als Berater stehen Dir sowohl in als auch nach dem Consulting viele Optionen offen. Wenn Du den Drang nach Veränderung und einen Unternehmenswechsel hast, ist es wichtig, dass Du nichts überstürzt. Dein Bauchgefühl gibt Dir zwar eine gute Hilfestellung, trotzdem solltest Du Dich nicht allein darauf verlassen und Dir ausführlich über Deinen nächsten Karriereschritt Gedanken machen. Ist ein Wechsel wirklich das Richtige für Dich? Kommt vielleicht schon der Ausstieg aus dem Consulting für Dich in Frage oder erstmal eine Bildungspause für ein MBA-Studium?

Wenn Du im Allgemeinen über Deine Karrieremöglichkeiten informiert bleiben möchtest, dann melde Dich bei consultingheads an – kostenlos und vertraulich. Bei uns hast Du Zugriff auf Stellen für Berater sowohl im Consulting als auch in der Industrie.

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